Guten Morgen liebe Sorgen!
Ich bin’s wieder mal, ein Jahr älter und unglücklicherweise nicht besonders viel weiser…aber das wird vielleicht noch.
Kapstadt war sehr schön. Wir gingen für Christina ins Ballett, tanzten die ganze Nacht auf der „Long Street“ und gingen viiiel shoppen. Cape Town hat einfach so einen tollen flair… eine wunderbare Stadt! Am liebsten würde ich gleich wieder in den Bus steigen und zurückfahren. Wenn nicht so tolle Kids in Thusong auf mich warten würden…
Ich hatte ja in meinem letzten Eintrag schon kurz erwähnt, dass am 16.6. (Dienstag letzte Woche) „Youth Day“ ist. Dies ist ein nationaler Feiertag zu ehren der 1976 in Soweto umgebrachten Kinder und Jugendlichen. Es hatten sich damals hunderte von Schülern zu einem friedlichen Protestmarsch zusammengefunden um gegen die „Bantu Education“ zu demonstrieren. Dieses Gesetz wurde von den Apartheid Politikern verabschiedet und besagte unter anderem, dass in allen Schulen nur in Afrikaans gelehrt werden musste. Dies war ein riesiges Problem, da viele der Schüler nicht richtig Afrikaans sprechen konnten und auch Lehrer nicht in Afrikaans lehren. Vor allem aber konnten Jugendliche besonders in Soweto nicht mehr still sitzen und hatten einige Monate zuvor begonnen, sich in Komitees zu organisieren. Die Bantu Education war ein weiteres diskriminierendes Gesetz, dieses mal traf es jedoch hauptsächlich die Jugend. Das Faß wurde zum Überlaufen gebracht. Am 15.6. wurde dann der kaum geplante Protestmarsch organisiert, in dem Schüler von einer zur nächsten Schule liefen und so verbreiteten, was am nächsten Tag passieren sollte. Am 16.6. gingen Schüler in Soweto dann auf die Straße anstatt in die Klassenräume und marschierten singend und tanzend durch Orlando (ein „Stadtteil in Soweto, in dem auch Mandela mal wohnte). Weiße Polizisten kamen und ohne Warnung oder Drohung fingen sie an auf die Kinder und Jugendlichen zu schießen. Hector Petersen wurde als erstes erschossen. Auf dem Foto sieht man seine Schwester und einen damals unbekann
ten Jungen, der Peter trägt. Dieser Junge ahnte, dass es ärger geben würde und war deshalb an diesem Morgen zuhause geblieben. Als er Schüsse hörte rannte er auf die Straße und sah Peter. Hector Peterson ist heute ein Nationalheld, da er den widerstand der Jugend und die Grausamkeit des Apartheid Regimes repräsentiert. „Youth Day“ soll an die Helden des Widerstandkampfes erinnern und die Jugend von Heute wertschätzen und motivieren. Am Samstag letzte Woche waren Elisa und ich mit 11 Kids auf einer Youth Day Celebration, auf der viel geredet, getanzt, gesungen und vor allem die Jugend von Heute gefeiert wurde. In Südafrika ist es unheimlich wichtig Jugendlichen klar zu machen, dass sie es sind, die die Zukunft ihres Landes gestalten. Es gibt hier so viele soziale Probleme, dass ein Großteil der Jugendlichen deprimiert ist und das Gefühl hat Hilf- und Machtlos zu sein. Doch genau hier ist es wichtig ambitionierte Jugendliche zu haben, die etwas verändern wollen.
Nun zu den tollen Kindern und Jugendlichen von Thusong: Es war die letzte woche nicht einfach. Es gab viel Streit unter den Jungs und einige Unstimmigkeiten zwischen mir und ihnen. Ich hatte inzwischen aber klärende Gespräche mit zwein meiner Jungs und es läuft auch wieder besser. Jetzt ist die Schule ja weitgehend vorbei, die Winterferien fangen am Freitag offiziell an. Leider sind nun einige noch weniger in Thusong als vorher und ich sehe manche Jungs kaum. Sobald es besonders den jüngeren Jungs nur ein bisschen langweilig ist und sie merken, dass die Aufmerksamkeit nicht 100% bei ihnen ist, hauen sie in die Stadt ab. Aber wie kann ich oder wir die etwa 10 Jungs immer im Auge haben oder immer beschäftigen? Naja, die letzten Tage schien es sich etwas zu bessern, wir haben gestern z.B. ganz viele Fotos von unserem Trip nach P.E. angeguckt, was für alle ein riesiger Spaß war!
Jetzt haben die Ferien ja offiziell angefangen und das „Holiday Program“ beginnt. Heute werden, wie jeden letzten Freitag im Monat, alle Geburtstage des Monats gefeiert! Wir bekommen meistens eine Kuchen Spende und singen gemeinsam Geburtstagslieder. Anschließend gibt es, wie jeden Freitag, zwei ausgeliehene DVDs die wir anschauen.
Unser Endspurt hier in Kimberley hat ja begonnen und es ist ein ganz komisches Gefühl zu wissen in 2Monaten ist man schon wieder zuhause, oder man hat nur noch so und so viele Wochen Alltag in Thusong. Obwohl wir nur noch ein paar wenige Wochen hier sind, gibt es immer wieder Stress mit Rebecca und Gladys (unseren zwei vorgesetzten). Ich weiß nicht warum, aber wir werden für alles verantwortlich gemacht, unsere Meinung wird sowieso kaum respektiert und regelmäßig werden wir des Lügens beschuldigt. Ich hoffe die nächsten Freiwilligen werden es nicht so schwer mit der Tsiane Familie haben.
Das Wetter ist im Moment richtig „freezing“! gestern Nacht waren es -3 Grad in Kimberley und ich hörte grade im Radio, dass es einen großen Autounfall aufgrund von schneebedeckter Straße gab. Verrückt. Ich sitze auch grade mit Strumpfhose, 2paar Socken, Schlafanzug, 2 dicken Pullis und Handschuhen im Bett mit 3 Decken. Echt ungemütlich so was.
So, vielleicht könnt ihr ja mal ein bnisschen wärmere Luft herschicken, ich schicke euch dann unsere Sonne
Ganz liebe Grüße, Marieke
PS: es ist ein Trailer des Filmes über unsere Freiwilligenarbeit online: www.vimeo.com/4472101 Viel spaß

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