
Im Park
Endlich komme ich wieder dazu euch auf dem Laufenden zu halten! Es tut mir wirklich leid, dass ihr so lange auf einen neuen Eintrag warten musstet, aber es war einfach zu viel los!
Aber zuerst ein Update in Bezug auf den Trip nach Port Elizabeth: Wir fahren!
Die Unterkunft bei der Lutheranischen Kirche ist reserviert! Jetzt brauchen wir noch Eure Hilfe!
Jeder Rand zählt!
Bitte, bitte helft uns den Thusong Kids das Meer zu zeigen!
Leider kann ich den Spendenaufruf grade nicht hochladen, keine ahnung warum.
ich werde basti darum bitten das fuer mich zu machen!
also:der spendenaufruf kommt ganz bald!
hier ist Basti habe ihn hochgeladen mi.28.01.09 18:05
einfach hier drauf klicken —> trip-nach-pe
So, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu erzählen… es ist so viel passiert, gutes wie schreckliches, es gab unglaublichen Stress und einfach ganz viel Neues!
Die unendlich wirkenden Sommerferien sind endlich um, ich habe mich noch nie so auf den Beginn eines neuen Schuljahres gefreut wie dieses mal.
Unser 6-Wochen Ferienprogramm hat wirklich jeden Tag mit verschiedensten Aktivitäten gefüllt und uns vier die letzten Nerven gekostet.
Besondere Highlights für mich war unter anderem die Picture Show, eine Powerpoint Präsentation mit ganz vielen Bildern aus Thusong, die ich in stundenlanger Arbeit zusammengestellt hatte und die wir gemeinsam mit allen(!) Kids anschauten. Wir liehen uns dafür einen Beamer von der Baptised Church aus und alle hatten unheimlich viel Spaß.
Es ist für die Kids immer etwas Besonderes wenn ein Foto von ihnen gemacht wird und vor allem so groß und vor allen gezeigt wird. Nur sie sind in diesem Moment im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und alle Augen auf sie gerichtet.
Jedes Stück Aufmerksamkeit und Zuwendung wird von den kleinen sowie auch von den großen Kindern und Jugendlichen in Thusong wie von einem Schwamm aufgesaugt.
Außerdem veranstalteten wir eine Mr. & Mrs. Thusong Wahl, bei der jedoch die Geschlechter getauscht werden mussten. Zu Beginn zierten sich besonders die Jungs, aber als der Preis bekannt gegeben wurde (ein Fotoshooting und die Gewinner erhalten alle Fotos) hatten die meisten keine Hemmungen mehr. Wir lachten uns wirklich krumm und die Ideen von einigen Kids waren wirklich zum totlachen.
Des Weiteren gab es noch eine Talent Show, ein Programmpunkt der sehr beliebt ist und fast in jeden Ferien ansteht. Es war sehr lustig und schön und manch einer überraschte alle mit seinen Talenten, sie schon viel zu lange geschlummert hatten. Wir drei (Christina hatte frei) machten eine Impro Übung und fragten das Publikum wen und wo wir spielen sollten. Ich durfte eines meine Lieblings Mädels spielen, die die vorlauteste und frechste von allen in Thusong ist. Also hatte ich besonders viel Spaß
Ach wir hatten alle viel Spaß und man konnte wieder fühlen wie stark die Gemeinschaft in Thusong ist.
Am letzten offiziellen Ferientag gingen wir in den Park und hatten, wie am Ende der letzten Ferien wieder ein Picknick. Es war ein wunderbarer Tag, ich merkte sehr stark, dass sich die Beziehung zu den Kids seit dem letzten Picknick im Oktober unheimlich verändert hat. Sie ist viel inniger, vertrauter und enger geworden. Besonders schön war es endlich wieder Zeit mit den Kids verbringe zu können, die über die Ferien bei ihrer Familie waren.

Schon seit etwa 3 Wochen war ich dabei ein Fußballturnier zu organisieren. Wir hatten dies schon lange vor und da ein Filmteam ende Januar nach Thusong kommen würde, war dies ein guter Anlass endlich alles zu tun um dieses Turnier in die Tat umzusetzen.
Ich weiß gar nicht warum ich letztendlich diejenige war die alles anfing zu organisieren, wahrscheinlich waren die anderen busy.
Jedenfalls schrieb ich viele Briefe, an andere „Homes“, Supermärkte und Fastfood Restaurants. Alles lief relativ langsam und entspannt an, aber im Endspurt kam ich wirklich an meine Grenzen.
Wir hatten zwei weitere Kinderheime sowie ein Team aus dem Gefängnis eingeladen und planten das Turnier auf dem Fußballplatz im Gefängnis zu veranstalten. Das war an sich kein so großes Problem zu organisieren, aber sobald es darum ging Unterstützung von offizieller Seite, sprich der Stadtverwaltung, dem Bürgermeister, dem Northern Cape (unser „Bundesland“) Premier, dem Department of Education und dem Department of Sports, Arts and Culture zu bekommen wurde alles ein wenig „hectic“.
Durch unsere Beziehungen zu „Love Life“ (der nationalen Kampagne zur Aidsprävention und Motivation der jungen Generation) saß ich plötzlich im Büro des Direktors des Departments of Sports im Northern Cape und er versprach Thusong 5.000 Rand Unterstützung. Das regionale Dept. of Sports versprach Schiedsrichter und T-Shirts zu stellen. Alles schön und gut, nur hatte ich mal wieder die naive Vorstellung, dass wenigstens die Offiziellen in Südafrika nicht nur große Reden schwingen sondern auch wirklich das umsetzen was sie versprechen.
Wir hatten weniger als eine Woche bis zum Turnier und die versprochenen Faxe des Departments kamen nicht. Alles lief darauf hinaus, dass ich in der Woche des Turniers (also letzte Woche) jeden Tag mindestens einmal beim Department war und versuchte Stress zu machen.
Als ich am Freitag, einen Tag vor dem Turnier dann mit Kamerateam vor der Tür stand war der Direktor den ganzen Tag im Meeting und niemand wusste wo er zu finden sei.
Da sich in Südafrika alles nur über Beziehungen regeln lässt schaltete sich Gott sei dank Rebeccas Enkel, Martin, ein, der einen Freund hat, der auch im Dept arbeitet. Dieser ging mit uns, motiviert durch die Kamera, zum Department und nach einer Stunde warten hatte ich endlich den Zettel in er Hand, der belegte, dass Thusong die versprochenen 5000 Rand erhalten wird.
So konnte ich am Freitag, um halb 5 endlich die Medaille abholen und mich ums Essen kümmern. Blöd war nur, dass sich plötzlich jeder mit seinen eigenen Ideen einmischte und natürlich am besten wusste wie man so ein Turnier organisiert. Komisch, die ganzen 3 Wochen vorher hat es niemanden gejuckt was ich da mache…

Unsere Jungs waren unglaublich aufgeregt, veranstalteten am Freitag eine einstündige Mannschaftsbesprechung und waren am Samstag schon um 7 Uhr topfit und fertig zum losfahren! Es war total toll die Jungs so aufgeregt, motiviert und organisiert zu erleben! Das zeigte mir, dass sich doch der ganze Stress irgendwie gelohnt hatte.
Am Samstag fuhren wir gemeinsam ins Gefängnis, was alles sehr aufregend war, überall Elektro- und Stacheldrahtzaun, ganz viele Männer und Frauen mit Schießwaffen etc. leider ließen die zwei Teams der anderen Kinderheime fast eine Stunde auf sich warten, was unseren Spielplan völlig durcheinander brachte und es kam noch nicht einmal eine Entschuldigung.
Wieder einmal wollte jeder nun seinen Senf dazugeben wie wir den Spielplan ändern sollten, und und und… am liebsten hätte ich sie gefragt warum sie nicht selber alles organisiert hatten.
Jedenfalls klappte alles mehr oder weniger, die Spiele waren spannend, wir hatten unsere Mädels als Cheerleader dabei, mit tollen selber gebastelten THUSONG Buchstaben und einstudierter Choreographie.
Der Pokal (vom Northern Cape Premier gesponsert) kam in letzter Sekunde an und wir hatten durch Zufall sogar eine Delegierte vom Regional Dept of Sports, die ein paar Worte sagte.
Leider wurden wir nur Dritter (was wirklich nur Pech war! Wir hatten unheimlich viele Torchancen!), die Gefängnismannschaft gewann den Pokal.

Letztendlich ging wirklich alles gut, die Hektik und der Stress haben sich gelohnt, obwohl ich wirklich noch 3 Tage später die körperlichen und nervlichen Nachwirkungen des ganzen Stress spürte.
Wenigstens wissen wir jetzt wie wir das nächste mal alles organisieren können, wem wir glauben können und wer zuverlässig ist.
Nun aber zur Erklärung im Bezug auf das Filmteam. Schon vor dem Abflug in Deutschland begleitete mich ein Kamerateam für einen Tag, da das BMZ eine Dokumentation über das neue Wältwärtsprogramm in Auftrag gegeben hat. Nun kam also ein südafrikanisches Filmteam für knapp eine Woche nach Thusong.
Gott sei dank war die Filmcrew wirklich nett und weder die Kids noch wir hatten Probleme uns zu öffnen.
Am Nachmittag nach dem Fußballturnier fuhren wir mit einem Jungen (B.), dem Captain des Teams und super Fußballspieler, und seinem Bruder ins Township zu seinem Vater. Schon während der Autofahrt wurde er interviewet und ich war wirklich überrascht wie sehr er sich öffnete und wie viel er von seiner Geschichte preisgab.
In der Location (Township) angekommen standen wir vor einer Wellblechhütte und sein Vater, sehr alt, abgemagert und unheimlich schwach lag auf einer Matratze im schatten. Es war sehr rührend wie B. mit seinem kranken Vater umging. Leider war der Vater kaum in der Lage zu sprechen und konnte sich kaum aufrichten, doch B. hing ihm seine grade gewonnene Medaille, auf die er so stolz war, um und ließ sie bei ihm.
Er zeigte uns die Hütte in der sie früher gelebt hatten und wir sprachen mit einigen Leuten die irgendwie zur Familie gehörten und sich um den Vater kümmern.
Es war sehr rührend für mich, B’s ganze Geschichte zu hören und zu sehen wie er mit seinem kranken Vater umging. Offensichtlich ist sein Vater im Endstadium von AIDS, als ich mich jedoch mit dem Mann der sich ein bisschen um ihn kümmert unterhielt erwähnte dieser zwar AIDS, sagte aber es könne eigentlich nicht sein, dass er daran erkrankt sei, man wisse es nicht genau. (Obwohl er eben auch erwähne, dass auf den Unterlagen der Klinik Dinge wie „C4“, was nur im Zusammenhang mit HIV in Unterlagen auftritt, erwähnt wurde. )
Es ist unwahrscheinlich wie HIV und AIDS immer noch so sehr stigmatisiert und Tabuisiert sein können, obwohl es so viele Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit gibt.
Aber wer ein bisschen mit der Aktuelleren Geschichte Südafrikas vertraut ist, weiß, dass aufgrund Thabo Mbekis (ehem. Präsident SAs) Verleumdung und Ignoranz gegenüber der wachsenden Epidemie HIV/AIDS noch viel aufzuholen ist.
Eigentlich bin ich mir dessen bewusst, es ist aber etwas ganz anderes wenn man direkt damit konfrontiert wird und weiß, ein Junge, den ich so sehr mag muss damit umgehen, dass sein Vater langsam und schmerzvoll stirbt.
Außer diesem Erlebnis sind noch andere schreckliche Dinge passiert:
Ein Junge wurde aus Thusong rausgeschmissen, da ein fremdes Mädchen bei ihm im Bett geschlafen hatte und ich war diejenige, die es quasi entdeckte. Ach es bricht mir jetzt noch das Herz, wenn ich darüber schreibe. Seitdem er gegangen ist haben wir nichts mehr von ihm gehört, nur von seinen Sponsoren (er war nähmlich ein Erfolgsversprechender Rugbyspieler und hatte deshalb eine Familie die ihm de teureren Schulgebühren bezahlte), dass er nicht in der Schule wäre.
Vor zwei Tage kamen 3 ehemalige Thusong Mädels vorbei, um ihre Dokumente abzuholen. ich fragte sie, ob sie zur Schule gingen und ihre Antwort war nein.
Es ist unheimlich schrecklich diese Jugendlichen ins Herz geschlossen zu haben und dann aber zu wissen, man kann ihnen nicht wirklich weiterhelfen.
Es muss Konsequenzen in Einrichtungen wie Thusong geben, natürlich. Aber es ist grade so schwer für mich damit umzugehen, dass ich nicht mehr wirklich etwas für die ehemaligen Thusonger tun kann.
Es ist viel zu nahe liegend, dass sie in den Sog des Alkoholismus und der Perspektivlosigkeit gezogen werden. Genauso wie ihre Eltern und viele ihrer Freunde.
Und man kann immer nur eine helfende Hand reichen. Wenn sie nicht angenommen wird, wenn kein Schritt auf sie zugemacht wird, so dass sie gegriffen werden kann, muss man daneben stehen und dem wütenden Sog zusehen, wie er mehr und mehr verschlingt.
Das fällt mir grade sehr schwer und es wird endlich Zeit, dass wir hier mal rauskommen.
Morgen geht es für alle SAGE-Netties zum Seminar nach Cape Town. Ich freue mich riesig, dieses Seminar war für die letzten Wochen unser Lichtblick am Ende eines langen Tunnels.
Ich kann wirklich nicht warten alle anderen wieder zu sehen, mich auszutauschen und auch Freunde aus Kimberley, die inzwischen nach CPT gezogen sind, wieder zu treffen.
Anschließend an das 5-tägige Seminar haben wir vier noch eine Woche Urlaub und reisen mit Elisas Schwester, die wir in CPT treffen werden, ein bisschen rum.
So, ich könnte noch viel mehr erzählen, was alles in den letzte Tagen und Wochen passiert ist, aber ich glaube 4 Seiten reichen erst einmal für euch!
Ganz liebe Grüße,
Eure Marieke
PS: Bitte denkt an den Spendenaufruf für die Reise nach P.E.!
Bitte helft uns, ohne Euch kann die Reise nicht stattfinden!
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